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Ein Stück Mensch

Nutzer: Shito
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geschrieben am: 15.10.2006    um 01:03 Uhr   
Leben, was ist das? Was beschreibt Leben? Einen geregelten Tagesablauf, ein Einkommen, Sex, Liebe? Ist es Gewohnheit?
Wieso sind wir das was wir sind? Wieso gibt es auf der einen Seite extreme Gewalt und auf der anderen Seite extreme Freude? Beschreibt das Neutralität?

Ich bin betrübt an einem Abend und himmelhoch jauchzend den Tag darauf. Wieso?
Mir ist zum Weinen, doch ist kein Grund gegeben. Ich kann jedoch kein Salztropfen an meiner Wange hinunterrinnen lassen. Davon floss zuviel und trocknete umsonst.
Ich stehe in einer Menschenmenge und fühle mich allein, kniee vor allen in meiner Seele, bin nackt. Es würgt mich um den Hals ohne Grund. Die Melancholie dämpft wieder meine Sinne. Allein die Tabletten halten mich ein bisschen im Limit.
Im Alltag prasselt alles auf mich nieder wie messerscharfe Glasscherben. Ich bin leer und will aus meiner Hülle ausbrechen "...I'm breaking out of my body and flying away like a bat out of hell".
Ich sehe Freunde die mehr und mehr dazulernen, reifen und an Weisheit gewinnen. Ich bin im Herzen ein Kindlein geblieben und kann nicht akzeptieren wie es ist.

Die Welt ist getaucht in ein Kontrast aus Schwarz und Weiss. Es gibt nichts dazwischen. Hassen oder lieben. Freude oder Trauer. Mut oder Feigheit.
Ein Fingerzeig und alles dreht sich um, aus Gut wird Böse. Aus Energie wird Leere.


Liebe ist ein Trauerspiel, verfüge ich doch über die Fähigkeit dem Partner tiefe Narben in dessen Herz zu graben und weiss nicht einmal warum. Aber...ich mache es. Hass kommt auf, gigantischer Hass der mich zu einem Arschloch macht.
Diese Intensivität der Gefühle. Wie alles auf einen hinzurast und trifft wie ein Pfeil durch alle Knochen hindurch.
Ich verabscheue Sex und möchte ihn doch gleichzeitig haben. Diese Gier nach Vereinigung, das Gefühl wenn die vor Hitze expolierenden Lippen sich berühren und die Zunge des anderen mit deiner tanzt. Hände die sich berühren, umschließen und sich drücken bis es schmerzt.
Wenn die Hand an der schweissnassen Brust hinunter fährt. Das Beben des Partners, der sich vor Lust verzehrt und du alles tust um dem Gegenüber Hochgefühle zu schenken.
Mehr und mehr reiben sich die Körper aneinander...hin zum Finale, dem letzten Akt, genannt Orgasmus.
Ich fühle mich dreckig dannach und will allein sein, am Liebsten frisch gereinigt, geschrubbt. Den Geruch des Partners abstreifen zu können und zu flüchten in mein kleines Loch.

Ist mir ein Partner gegeben kann ich ihn nicht schätzen. Bin ich nicht gebunden wünsche ich mir voller Sehnsucht jemand herbei der mir die Einsamkeit vertreibt, nur ein wenig um die Person gleich dannach in Gedanken wieder zu verjagen. Ihre Pflicht ist getan.

Welchen Zweck erfülle ich? Welche Mission habe ich zu bestehen hiermit? Bin ich nicht einfach nur gewöhnlich?

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Nutzer: Goof
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geschrieben am: 15.10.2006    um 12:19 Uhr   
Hallo Shito,

schön geschrieben.

Stellt sich in deinem Leben gerade die Frage ob es sinnvoll ist die Möglichkeit eine nächste Sprosse im Spiel des Lebens zu erklimmen oder sich für das bereits erarbeitete im Leben, incl. der Freunde - die man für diese folgende Sprosse zumindest etwas fallen lassen müsste zu entscheiden?

Gruß der Goof
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Nutzer: Shito
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geschrieben am: 15.10.2006    um 14:50 Uhr   
Hallo,

danke für den Kommentar.

Es geht darum zu erkennen wie man, wie du sagst, auf die nächste Sprosse kommt. Schafft man diesen Schritt nicht ist das Leben gefährdet.

Eindrücke die anderen leicht fallen beschäftigen mich immerzu. Ein Mensch zu sein ist nicht einfach, gerade in Bezug auf Sensibilität. Wann ist sie angebracht, wann stört sie nur.
Wie lassen sich gewisse Dinge abschalten, die einen so unfassbar ausbremsen einen geregelten Tagesablauf zu führen?
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Nutzer: Branquignole
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geschrieben am: 17.10.2006    um 18:26 Uhr   
Auch mir gefällt dein Geschriebenes.
Du hast da zwar ziemlich viel Verschiedenes in einem kurzen Text zusammengepackt, aber irgendwie gehört es ja doch zusammen...


P.S.: Du bist nicht zufällig hochsensibel?
www.branquignole.de
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Nutzer: Shito
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geschrieben am: 17.10.2006    um 22:50 Uhr   
Zitat von: Branquignole

P.S.: Du bist nicht zufällig hochsensibel?
Unter anderem, ja.
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Nutzer: Schokoschaf
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geschrieben am: 08.11.2006    um 12:45 Uhr   
es gibt nicht nur schwarz und weiß im leben. das wirklich schwierige ist doch die graue zone. die graue zone, wenn man in der schwebe hängt. Man sieht dies, man sieht das. doch das dazwischen muss man genauso erkennen, das kann auf skurrile art und weise helfen zu verstehen. schwarz, im gedankensog festhängen, sich nicht lösen können weil- "nicht wollen". weiß, raus finden, lustig und fröhlich werden. so ist das nicht. grauzone. ein ventil kann helfen.
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