| "Autor" |
Von alten Meistern und jungen Helden |
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geschrieben am: 14.10.2010 um 18:35 Uhr
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Topvereine als Opfer mangelnder Anpassung
Der geneigte Zuschauer kann mit dem bisherigen Saisonverlauf sehr zufrieden sein, sofern er kein Fan der Kellerkinder Bayern, Stuttgart oder Schalke ist. Denn diese Spielzeit bietet einiges: kuriose Ergebnisse, viele Tore und unerwartete Freudentaumel für gewöhnlich leiderprobte Fangruppen. Und mit jedem weiteren Spieltag schaut man ungläubiger auf die Ergebnisse und stellt fest, dass sich vermeintliche Glückstreffer der Mainzer, Dortmunder oder Hannoveraner langsam zu Trends entwickeln könnten. Noch schauen alteingesessene Bayern-Fans amüsiert dem lustigen Treiben an der Tabellenspitze zu und denken sich: "Losst den Karnevalsvereinen ihrn Spoaß, am End stehn wir sowieso wieder ganz ohm." Diese Denkweise hat sich mittlerweile eingebürgert, was durch Ereignisse, wie den Absturz der Hoffenheimer, denen als klarer Herbstmeister vor 2 Jahren die Meisterschale schon angedichtet wurde, gestützt wird. Dennoch muss dies kein anzunehmendes Szenario auch für diese Saison darstellen. Die Hoffenheimer waren abhängig von ihrem Topstürmer Ibisevic, der zur Winterpause bereits 15 Tore geschossen hatte und dann lange verletzt ausfiel. Mannschaften, wie Dortmund und insbesondere Mainz sind jedoch eher breit aufgestellt und nicht von einem Schlüsselspieler abhängig. Gut, ein Barrios würde auch für den BvB schwer zu ersetzen sein, dennoch stehen hier Mannschaften auf dem Platz, und zwar sehr junge und motivierte. Natürlich wird es passieren, dass sie in ihrer Unerfahrenheit die ein oder anderen sicher geglaubten Punkte noch liegen lassen oder gegen Ende der Saison vom psychischen Druck der greifbaren Sensation übermannt werden. Dennoch müssen die etablierten Titelgewinner vom Dienst aufpassen, dass nicht andere Vereine beinahe aus Versehen Meister werden.
Auch die Ausrede der traditionellen Topvereine, die Dreifachbelastung in Bundesliga, Europacup und Nationalmannschaft sei unzumutbar, kann ich nicht gelten lassen. Hier sind nicht die DFL, Fifa oder Uefa gefordert, sondern die Vereine selbst. An dieser Stelle muss ein Umdenken einsetzen. Zeiten, in denen die Vereine die gleiche Elf Woche für Woche in jedem Spiel auflaufen lassen können, sind nunmal vorbei. Logisch, dass ohne die nötige Rotation und Entlastung Verletzungen auftreten und Spieler erschöpft sind. Die Kader müssen dringend verbreitert werden. Hiermit meine ich keine bloße Aufstockung durch Amateure, sondern ein von vornherein auf ständige Rotation ausgelegtes System mit gleichwertigeren Spielern, auch in den Augen der Trainer und Verantwortlichen. Die altbekannte Reserve darf nicht mehr als Notnagel angesehen und bezeichnet werden, sondern als voller Bestandteil einer funktionierenden Mannschaft. Gute Beispiele findet man im Eishockey oder Basektball der amerikanischen Profiligen. Die Kader dieser Teams bestehen dort aus mehr als 30 Spielern. Über das Argument der zu hohen Belastung für Stammspieler können sie dort mit ihren weit über 60 Saisonspielen nur müde lächeln. Auch ein Mangel an Stars oder Klagen über zu niedrige Löhne sind trotz der Rotation nicht auszumachen.
Nur wenn sich die Vereine in dieser Hinsicht anpassen und vielen Spielern die gleichen Chancen einräumen, wird es für Clubs wie den FC Bayern möglich sein, dauerhaft in allen Wettbewerben konkurrenzfähig zu bleiben.
Sonst lautet am Ende der Saison die Antwort auf die Frage, wer denn deutscher Meister wird, eh' man sich versieht, ganz schnell mal: "3, 2, 1, Mainz!"
In diesem Sinne, Glück auf! |
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