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geschrieben am: 12.07.2001 um 07:41 Uhr
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Keiner sah es kommen, keiner hätte es geglaubt, keiner hielt es auf......aber am Ende sagten sie ALLE:
“ICH habe es kommen sehen!“
es fing mit dem älter werden an. man dachte mehr nach. über was nicht alles? über alles! eine meinung bilden fiel doch nicht schwer. jedenfalls nicht, wenn der andere sie auch hatte!
Aber dann kam die zeit, in der man wirklich anfing SEINE meinung zu bilden. erlebtes zu verarbeiten. der realität ins gesicht zu sehen. und immer wieder kam die erinnerung zurück.
die vom letzten tag.
was sich auf dem bahnsteig abspielte. nein es war kein spiel. es war das grauen. und so hartnäckig zerrten diese bilder an den nerven, bis sie rissen.
ausländer verprügelten einen deutschen. einfach so, grundlos. vielleicht auch noch aus spaß.
die ansichten änderten sich.
harmlos, wie es schien...nichtssagende andeutungen...zum ignorieren und überhören geradezu geeignet. man seilte sich von den ’alten’ freunden ab, komischer weise immer dann, wenn ein ausländer dabei war.
und plötzlich war man auf sich ganz allein gestellt, isoliert, ’vom rest der welt’, glaubte man.
dann sah man sich um und suchte einen ort, an dem man verstanden wurde. aber niemand verstand einen, weil man nicht sprach.
worüber sollte man schon sprechen, wenn man nicht wusste wohin man gehörte. wenn man sich selbst nicht sicher war.
man versuchte zu zeigen wohin man gehörte, damit die anderen es sehen.
erst nur ganz vorsichtig, harmlos, wie es schien...nichtszeigende andeutungen... zum ignorieren und übersehen geradezu geeignet. man zeigte die farben schwarz-rot-gold.
auf die frage Â’warum?Â’ gab man keine antwort. es waren nicht die, die fragen sollten.
jetzt wusste man, wohin man wollte, aber nicht, wie man dort hinkommt.
man suchte den schlüssel in geschichten, in bildern, in liedern, bis man sie alle auswendig konnte.
dann faste man sich ein herz, da wo es gerade schlug.
die bomberjacke stand recht gut. sie zeigte ein wenig stolz und vor allem stärke.
harmlos, wie es schien...nichtszeigende andeutungen... zum ignorieren und übersehen geradezu geeignet. es war ja mode, im winter und sie hielt warm.
aber im sommer trug man sie immer noch.
der gang war aufrecht, kurzerhand, innerhalb von einem halben jahr. während die eltern es einem 16 jahre lang versuchten beizubringen.
Aber wie immer war es harmlos, wie es schien...nichtszeigende andeutungen... zum ignorieren und übersehen geradezu geeignet. man trug ja turnschuhe.
doch leise, durch das summen der melodien konnte man es hören, ganz leise.
harmlos, wie es schien...nichtszeigende andeutungen... zum ignorieren und übersehen geradezu geeignet.
und plötzlich waren es KEINE turnschuhe mehr, es waren springerstiefel, der schritt fest und hart, der nacken ausrasiert, und man stand in einer ganz anderen gruppe. die gruppe von gegenüber.
man trug die farben schwarz-rot-gold nicht mehr lange. man trug die farben schwarz-weiß-rot; offensichtlich.
es wurden keine fragen mehr gestellt, keine andeutungen gemacht.
es war klar und eindeutig.
und es war ja schon immer so !
nie anders !
da wo man langmarschierte, gingen einem die anderen aus dem weg.
hier und da kam nur ein kurzer blick, der sich sofort wieder versteckte.
alltag, gewohnheit !!
Harmlos ? ...nichtssagende andeutungen ? ...zum ignorieren, übersehen und überhören geradezu geeignet ???
ja ?
keiner sah es kommen, als man es sehen konnte ?
keiner hätte es geglaubt, als alle zeichen zu erkennen waren ?
keiner hielt es auf, wo man hätte eingreifen können ?!
und alle sagen sie, dass es eine schande ist.
es sollte verboten werden.
sie fragen sich, warum sich niemand darum gekümmert hat.
man hatte es doch kommen sehen !
wie man nur so etwas ignorieren kann ?!?
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