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Nutzer: Gast_Bluna
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geschrieben am: 21.05.2002    um 11:19 Uhr   
[i][rot]Rose Ausländer - Ein Tag im Exil[/rot]

[weiss]Ein Tag im Exil
Haus ohne Türen und Fenster

Auf weißer Tafel
mit Kohle verzeichnet
die Zeit

Im Kasten
die sterblichen Masken
Adam
Abraham
Ahasver

Wer kennt alle Namen

Ein Tag im Exil
wo die Stunden sich bücken
um aus dem Keller
ins Zimmer zu kommen

Schatten versammelt
um‘s Öllicht im ewigen Lämpchen
erzählen ihre Geschichten
mit zehn finstern Fingern
die Wände entlang

[rot]Siegfried Einstein - Schlaflied für Daniel[/rot]

[weiss]Wir fahren durch Deutschland, mein Kind.
Und es ist Nacht.
Die Scheiben klirren im Wind,
da sind die Toten erwacht

die Toten von Auschwitz, mein Sohn.
Du weißt es nicht
und träumst von Sternen und Mohn
und Sonn- und Mondgesicht.

Du darfst nicht schlafen, mein Kind.
Und es ist Nacht.
Die Toten stöhnen im Wind:
viel Menschen sind umgebracht.

Du darfst nicht schlafen, mein Sohn,
und träumen von seliger Pracht.
Sieh doch, es leuchtet der Mohn
wie Blut so rot in der Nacht.
Wir fahren durch Deutschland, mein Kind.
Und es ist Nacht.
Die Toten klagen im Wind -
und niemand ist aufgewacht...[/weiss]

[rot]Gerson Stern - Die Letzte[/rot]
[weiss]
Ich hatte Mann und Kinder.
Es holte sie der Schinder,
sie starben irgendwo.
Doch lieget meine Habe
nicht hier, nicht dort im Grabe -
Die Feuer lodern lichterloh.

Sie sind von den Millionen,
die nun als Asche wohnen
im Feld, im Drecke irgendwo.
Den Schornstein seh ich tauchen
ins Blau und rauchen, rauchen -
die Feuer lodern lichterloh.

Vielleicht lebt in dem Winde
ein Gruß von meinem Kinde.
Denn etwas bleibet irgendwo÷
Nun kommen sie mich rufen.
Ich steige meine Stufen ...
Die Feuer lodern lichterloh.

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Nutzer: Gast_Bluna
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geschrieben am: 23.05.2002    um 08:59 Uhr   
[i][rot]Kriegslied - Matthias Claudius[weiss]
's ist Krieg! 's ist Krieg! O Gottes Engel wehre,
....Und rede du darein!
's ist leider Krieg - und ich begehre
....Nicht schuld daran zu sein!

Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen
....Und blutig, bleich und blaß,
Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen,
....Und vor mir weinten, was?

Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
....Verstümmelt und halb tot
Im Staub sich vor mir wälzten, und mir fluchten
....In ihrer Todesnot?

Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute,
....So glücklich vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute,
....Wehklagten uber mich?

Wenn Hunger, böse Seuch' und ihre Nöten
....Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammleten, und mir zu Ehren krähten
....Von einer Leich herab?

Was hülf mir Kron' und Land und Gold und Ehre?
....Die könnten mich nicht freun!
's ist leider Krieg - und ich begehre
....Nicht schuld daran zu sein!

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