| "Autor" |
Lisa... |
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geschrieben am: 12.07.2000 um 11:08 Uhr
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dunkelheit....
ich kann das desinfektionsmittel der krankenhauswände riechen....
es macht mich krank, ich hasse diesen geruch - und die menschen hier, die sich selbst ärzte nennen.
die fliesen an boden und wänden sind kalt und grau.
in meinem zimmer steht nichts - nur mein bett und ein kleiner tisch mit einer schublade für meine persönlichen gegenstände.
in der schublade liegen nur ein paar fotos drei bleistifte und ein notizblock.
ich kann wie so oft nicht schlafen.
durch ein kleines fester scheint das mondlicht herein.
alles scheint so "normal".
ich sehe meine kleine ganz deutlich.
sie liegt neben mir - in meinen armen.
sie schläft ganz friedlich. atmet ruhig.
wenn sie wüsste was hier vor sich geht.
wenn sie wüsste wo sie ist.
wenn sie wüsste wer/was ich bin.
aber für sie zählt nur die nähe und wärme meines körpers.
sie haben mir alles genommen - nur lisa nicht... ich habe nichts mehr. nur noch sie.
ich wünschte ich könnte ihr diese kindheit hier ersparen. es wird nicht mehr lange dauern, bis auch sie mir auch lisa wegnehmen. sie ist nun schon ein halbes jahr alt. bald werden sie sie in ein kinderheim bringen. sie haben ja recht. dies ist kein platz für 'normale' kinder. ich genieße jeden moment den ich mit ihr habe, denn es könnte der letzte sein. sie haben noch nicht gemerkt, dass ich nicht mehr schlafe. sie sollen es auch nicht merken. sonst bekomme ich wieder diese tabletten. als ich herkam bekam ich immer tabletten. tabletten zum schlafen, zum wachsein, zum reden und zum ruhigsein.... ich weiß nicht wieso sie das tun. ich weiß nicht warum ich hier bin. sie sagten ich sei hier, weil ich 'krank' wäre und das sie das wieder hinbekommen. ich bin nun schon 5 monate hier. und ich fühle mich schlechter als bei meiner ankunft hier. ich denke an früher. ich denke oft an längst vergangene fröhliche tage zurück.
die tür wird aufgerissen. das neonröhrenlicht wird eingeschaltet. drei dieser männer stehen plötzlich vor meinem bett. einer hält eine spritze in der hand, ein anderer eine decke und der dritte einen notizblock. ich schaue sie fragend und flehend zugleich an. sie blicken nur kühl zurück. ich versuche sie zu fragen was sie machen werden, doch in dem moment in dem ich meinen mund öffne, halten sie ihn mir zu. ich versuche zu schreien, mich zu wehren. lisa ist aufgewacht. sie übernimmt das schreien für mich. der mann mit dem notizblock legt ihn zur seite und bindet meine hand- und fußgelenke mit den lederschnallen an das bett. das machten die schwestern sonst nur, wenn ich einen anfall hatte. jetzt hatte ich keinen anfall. der herr mit der decke nimmt lisa und wickelt sie darin ein. er nimmt das bündel und geht - zu dem mann mit der spritze nickend - wortlos. ich liege dort, gefesselt, geknebelt. ich höre lisa in der ferne schreien. ich versuche wieder und wieder zu schreien,mich zu wehren, doch es geht nicht. ich spüre wie sich die nadel der spritze in meinen handrücken bohrt. der eine herr macht sich ein paar notizen und geht danach zusammen mit dem 'spritzen'-mann die tür hinaus. nun habe ich nichts mehr. ich weiß nicht wieso sie mir das antun und mich noch am leben halten. ich will nicht mehr. das licht geht aus.
stille....
ich denke nichts. ich fühle nichts. ich kann nichts, nur regungslos an die decke starrend da liegen. das mittel scheint seine wirkung zu tun. ich werde müde und schlafe ein. |
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